Gott hat die Fülle Hans R. Waldvogel

„Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt 

her zum Wasser!“ Jesaja 55, 1 

 

Es ist so wichtig, dass wir trinken lernen. Die herrlichsten und kostbarsten Verheißungen des Evangeliums haben für die Menschen keine Bedeutung, die schon alles besitzen, die voll sind, die gerecht sind. Aber jene, die nichts haben, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, die sollen satt werden. Schon im Kapitel 12 sagt der Prophet Jesaja: "Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen!" Damit wies er auf die Zeit hin, in der wir leben — auf die Zeit des Heiligen Geistes. Dieser Strom des Geistes fing zu Pfingsten ganz gewaltig an zu fließen. 

 

Johannes hat diesen Strom in der Offenbarung gesehen. Er nennt ihn einen lebendigen Strom. Zu beiden Seiten standen Bäume des Lebens, die zwölfmal im Jahr ihre Früchte brachten. Das ist ein Bild für die Gemeinde Jesu, für alle, die gekommen sind und getrunken haben. Aber auch für die Menschen, die noch in der Sünde sind, heißt es: "Wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll errettet werden!" Dieser wunderbare Strom des Lebens quillt für alle. 

 

Zu jener Frau am Brunnen zu Samaria sagte der Heiland: "Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde ..." Hast du schon getrunken? Hat dir schon der Heiland Sein Wasser reichen dürfen? Der Mensch ist schon von Natur aus recht durstig. Er braucht eigentlich gar nicht erst trinken zu lernen. Das sehen wir bei jedem neugeborenen Kindlein. Man muss ihm keine Lektion über das Trinken erteilen; man braucht ihm nur die Flasche hinzuhalten. Und wie es dann trinkt! und. Das geht ganz von selbst Und wer nach der Gerechtigkeit dürstet, der wird bald merken, dass er bei Jesus das bekommt, wonach sich sein Herz sehnt. 

 

„Wer den Namen des Herrn anrufen wird!" Wie oft haben wir aus Zeugnissen von Menschen gehört die zu Jesus gekommen sind, dass alles neu geworden ist. Erst kürzlich hörte ich das Zeugnis von einem Mann über seine Bekehrung. Er sagte: "Es war mir so, als wäre die ganze Welt neu geworden." Das kam daher, dass er auf einmal Leben hatte. Jesus ist gekommen, um Leben und volle Genüge zu geben. 

 

Darum sagt Jesus gerade zu dieser Frau: "Wer von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird ewiglich nicht dürsten!" Halleluja! Jesus Christus hat durch Seinen Tod diese Quelle aufbrechen lassen. Durch Seinen Tod ist der Vorhang zerrissen; und jetzt ergeht an alle Menschen die Einladung: "Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommet her und trinket!" Eine der herrlichsten Verheißungen finden wir in Johannes 7,38: "Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen." Trinken heißt, das zu glauben, was Er verheißen hat. 

 

Wenn du die Wahrheit des Evangeliums vernommen hast, wenn du erkennst, was Jesus Christus für dich getan hat und wie Er dich mit Seinem Blut erkauft hat, dann wirst du Licht über ein wahres Gebetsleben bekommen. Die Leute, die da meinen, sie könnten Gott gefallen, wenn sie irgendein Gebet hersagen, sind weit vom ziel entfernt Nein, Gott bittet dich: Tue deinen Mund weit auf! Lass mich ihn füllen!" Und dort im Tempel, wo die Tausende versammelt waren, sagte Jesus: „Wer da dürstet, der komme zu mir und trinke!" 

 

Gott sei Dank, dass es überall, in allen Ländern und unter allen Völkern, Menschen gibt, die nicht mit diesem kümmerlichen Dasein hier auf Erden zufrieden sind. Sie wissen, ! i?re seele für etwas viel Herrlicheres geschaffen ist. Wir sind für Ihn geschaffen! Jesus Christus ist uns von Gott gemacht zur Weisheit. Und deine Weisheit besteht darin, dass du nicht mehr mit dir selber und mit deiner Gerechtigkeit zufrieden bist, sondern dass du dein Herz für den lebendigen Gott auftust. Er hat dir ewiges Leben verheißen, ehe der Welt Grund gelegt war. Jetzt hat Er diese Verheißung erfüllt, indem Er Jesus, unseren Heiland von den Toten auferweckt und Ihm alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben hat. Halleluja! Und wenn du zu Ihm kommst, dann nimmst du aus Seiner Fülle, so dass von deinem Leibe Ströme lebendigen Wassers fließen. 

 

Wie dankbar können wir doch für die Heilige Schrift sein. Sie führt uns zur Quelle hin. Warum zählt ihr Geld dar, da kein Brot ist? fragt der Prophet. Warum verrichtet ihr eine Arbeit, von der ihr nicht satt werdet? Warum wollt ihr sterben? Esset das Gute, das Gott euch gibt, und trinket von der Quelle des lebendigen Wassers! Du wirst nirgendwo Befriedigung finden; du musst zu Jesus kommen! 

 

Warum gibt es so viele traurige, missmutige, verzweifelte Menschen in dieser Welt? Sie alle meinen, irgendeine Entschuldigung zu haben. Aber bei Gott gibt es keine Entschuldigung. Die Quelle fließt, und wir brauchen nur zu kommen und zu trinken. Jesus ladet uns ein, aus Seiner Fülle zu schöpfen — Gnade um Gnade damit wir erfüllt werden mit aller Gottesfülle. Und wie herrlich ist die Tatsache, dass Gott den Sünder sucht! 

 

Viele Menschen meinen, sie suchten Gott; aber nein, Gott sucht dich! Der gute Hirte geht dem verlorenen Schäflein nach, das sich verirrt hat. Es  dachte könne den Weg besser finden als der Hirte. Er sucht das Verlorene, bis dass Er es findet. Gott ist es, der uns durch den Apostel Paulus an Christi Statt bittet: Lasset euch versöhnen mit Gott!" Gott gibt uns iZ! Gerechtigkeit. Und nun fließt der Strom. 

 

Dieser Strom fließt vom Kreuz auf Golgatha; er fließt vom Thron der Herrlichkeit. Das Lamm, das für dich geschlachtet wurde, hat deine Schuld auf sich genommen und deine Strafe getragen, und heute sitzt Jesus auf dem Thron. Jetzt brauchst du dich nicht mehr vor deinem Gott zu fürchten. "Sein Kreuz bedeckt meine Schuld; Sein Blut macht hell mich und rein!" Jetzt habe ich große Freudigkeit, zu meinem Gott zu kommen. Und wenn du noch nicht getrunken hast, wenn du es Gott noch nicht gestattet hast, dich mit Seinem Heiligen Geist zu erfüllen, dann weißt du auch nichts um den wahren Gottes. dienst. Gott sucht Menschen, die Ihn anbeten im Geist und in der Wahrheit. Eine solche Anbetung will Er uns schenken. 

 

"Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt.. ." Was sagt denn die Schrift von diesem Jesus? "Ich sende die Verheißung meines Vaters auf euch, und ihr werdet meine Zeugen sein. Wenn du das erlebt hast, werden Ströme lebendigen Wassers von deinem Leibe fließen. Wenn wir in Wahrheit trinken lernen, dann wird uns Jesus nicht nur mit dem Heiligen Geist erfüllen, sondern wir werden zu einem Kanal, durch den Sein Geist fließt. Dieser Strom durchdringt unser ganzes Leben, und Seine Fülle strömt über zu unseren Mitmenschen. Das ist es, wozu wir gerettet sind. 

 

Der Heilige Geist ist für alle da. Ist es nicht herrlich, so aus diesem Lebensborn zu trinken? Wenn du meinst, du wärest nicht würdig genug, dann denke an Johannes 4! Dieser verachteten, sündigen Frau hat Jesus diese herrliche Verheißung gebracht. Er wusste, dass in ihrem Herzen ein Durst nach Gerechtigkeit war, den keine Kirche der damaligen Zeit und auch keine Religion stillen konnte. Sie hat sich beklagt, dass sie leer ausgehen musste. Und so geht es auch heute vielen Menschen! Dann sagte sie: «Wenn Christus kommt, dann wird das anders werden." Und Jesus konnte sagen: „Ich bin es, der mit dir redet." 

 

Und wenn du das Evangelium hörst, dann hörst du Seine Stimme. Als Jesus Seine Jünger aussandte, sagte Er zu ihnen: „Gehet hin und prediget das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden." Wenn du gerettet bist, dann wirst auch du die Gabe des Heiligen Geistes empfangen, und Ströme lebendigen Wassers werden von deinem Leibe fließen. Gott reicht dir Seine Fülle dar. Komm, und lerne zu trinken! 

 

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Gott hat die Fülle; was immer dich quält, geh nur und klag Ihm dein Leid; 

bete ohn' Unterlass, sag, was die fehlt, Er hält dir Hilfe bereit. 

 

Gott hat die Fülle: o flieh an Sein Herz, komm nur, ob früh oder spät; 

trau den Verheißungen, sag Ihm den Schmerz Gott erhört sicher Gebet. 

 

Gott hat die Fülle; Er rüstet mit Kraft, 

ist dir das Leben so schwer; 

Weisheit und Gnade der Herr in dir schafft, 

komm nur und zweifle nicht mehr. 

 

Gott hat die Fülle und was dein Begehr, 

komm nur mit fröhlichem Mut, 

 

Gott hat die Fülle, o sorg dich nicht mehr, 

komm  nur, und alles ist gut. 

 

 

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Danket dem Herrn! Helen Wannenmacher

 

Wenn es etwas gibt, das im Leben der meisten Christen vernachlässigt wird, dann ist es das Danken. Es gibt in der Welt wenig Gebet, aber es gibt noch weniger Danksagung. Der Grund liegt darin, dass uns unsere Nöte zu Gott ins Gebet treiben, während es allein Liebe ist, die uns zur Dankbarkeit gegen Gott führt. 

 

Der klägliche Schrei der zehn Aussätzigen: "Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser!" kam aus ihrem Herzen. Als aber das Wunder geschehen war und sie sich den Priestern gezeigt hatten, gingen in ihrer selbstsüchtigen Freude neun von ihnen ihres Weges. Nur einer, und dazu noch ein verachteter Samariter, kehrte um und pries Gott mit lauter Stimme. Er fiel vor Jesus auf sein Angesicht und dankte Ihm. Sogar Jesus war über die Undankbarkeit der übrigen erstaunt; denn Er fragte: "Sind ihrer nicht zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte und gäbe Gott die Elire, denn dieser Fremdling?" Aber auch wir wollen uns fragen: Haben wir uns nicht alle der gleichen Undankbarkeit schuldig gemacht? Hat Gott nicht unser Leben mit reichen Segnungen Seiner Gnade überschüttet? Er hat uns gerettet. Er hat lins geholfen. Er hat uns mit Seinem Heiligen Geist erfüllt. Er hat uns von dem starken Feind befreit. Und doch vergessen wir sooft. Ihm die Ehre w geben, die Seinem Namen gebührt, indem wir — wie die neun Aussätzigen - nicht umkehren und Ihm danken. Undankbarkeit ist eine verwerfliche Sache — schon unter ansehen! Wie viel mehr, wenn wir sie Gott gegenüber erweisen! Es ist so wenig, was wir Ihm bringen können — nur unsere Liebe und unsere Dankbarkeit! Aber das Wunder ist, dass dieses wenige gerade das ist, was Sein Herz erfreut! Wenn wir unser Herz zu Ihm in Lobpreis und Anbetung erheben, werden wir schon hier auf Erden in eine enge, köstliche Gemeinschaft mit Ihm gezogen, die jedoch nur ein Vorgeschmack des Lobes und der Anbetung im Himmel ist. 

 

In Psalm 107 werden wir ermahnt: "Lasst uns Dank opfern und erzählen seine Werke mit Freuden." Dank opfern heißt mit anderen Worten, Gott zu loben und zu danken, auch wenn uns nicht danach zumute ist. Äußerlich betrachtet, hatten Paulus und Silas nicht viel, wofür sie hätten dankbar sein können. Ihre Füße waren in den Stock gelegt, und ihr Rücken blutete aus vielen Wunden. Um die Mitternacht aber, als sie beteten und Gott lobten, schickte Er plötzlich ein großes Erdbeben, das alles veränderte. Ihre Ketten hatten sich gelöst, ihre Striemen wurden vom Gefängniswärter abgewaschen, und er selbst glaubte an Gott mit seinem ganzen Hause. Wie wunderbar sind Seine Werke, und wie herrlich führt Er alles hinaus! Ist Er da nicht unseres Dankes würdig? 

 

Während der Anfangsjahre unserer Arbeit in Milwaukee beteten wir einmal eine längere Zeit sehr ernst, dass Gott einen "Durchbruch" geben und eine Erweckung senden möge, so dass Seelen gerettet. Kranke geheilt und Gläubige mit dem Heiligen Geist getauft werden würden. Aber es schien so als ob wir keine besondere Erhörung unserer Gebete erfuhren, nur. dass der Segen Gottes in unserem Herzen war. 

 

"Doch eines Tages gab Gott meinem Mann ein, Ihm zu danken; dass Er irgendwo in der Welt Menschen rettet, Kranke heilt und Menschen mit dem Heiligen Geist tauft und dass das Feuer hell brennt! Sobald er anfing, seinen inbrünstigen Dank Gott dafür darzubringen, das Er so wunderbar segnet, fing Gott unter uns in einer bemerkenswerten Weise zu wirken an. Sünder kamen zur Versammlung und wurden gerettet, Kranke wurden geheilt und Gläubige dem Heiligen Geist erfüllt. Es war so gewaltig, dass die Menschen von der Straße zusammenliefen, in unseren kleinen Saal kamen und sich erkundigten: "Was ist das?" "Kommet her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist mit seinem Tun unter den Menschenkindern." 

 

Im Wort Gottes finden wir viele Gründe, weshalb wir dem Herrn danken sollen. Die Psalmen Davids sind voll von Leitgedanken, wie wir sie z. B in Psalm 3, 4 finden: "Du, Herr, bist der Schild für mich und der mich zu Ehren setzt und mein Haupt aufrichtet." Ist es nicht wunderbar, dass Er gnädig unser Haupt aufrichtet! Vielleicht haben wir bei einem Dienst versagt, und unser Haupt und Herz ist gebeugt. Und nun schauen wir empor und sehen Seine Herrlichkeit' 

 

Wie trostreich sind doch die Worte des Psalm 23! "Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln!" Er erquickt unsere Seele, und Seine Güte und Barmherzigkeit werden uns folgen unser Leben lang. Er hat uns verheißen, im dunklen Tal bei uns zu sein. Und nach unserem irdischen Pilgerlauf "wird er uns ohne Fehl vor das Angesicht seiner Herrlichkeit unsträflich und mit Freuden stellen", wie wir dies in Juda 24 lesen. Das ist der kürzeste und sicherste Weg zur ewigen Freude und Glückseligkeit — dem Herrn zu danken. 

 

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Dankt dem Herrn mit frohem Mut, Er ist freundlich, Er ist gut! 

 

Seine Güt' ermüdet nie, ewig, ewig währet sie!

 

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Jesus allein. C. H. Spurgeon

 

Wir können nicht zu oft und nicht zu deutlich der suchenden Seele sagen, dass ihre einzige Hoffnung auf Errettung in dem Herrn Jesus Christus liegt. Sie liegt in Ihm vollständig, einzig und allein. Um von beiden, von der Schuld und der Macht der Sünde zu erretten, ist Jesus vollkommen ausreichend. Sein Name ist Jesus, weil er sein Volk selig macht von ihren Sünden." "Des Menschen Sohn hat Macht auf Erden, die Sünde zu vergeben." Er ist erhöht, "Buße und Vergebung der Sünden zu geben." Es gefiel Gott, von Anbeginn einen Plan des Heils zu entwerfen, der ganz und gar in Seinem eingeborenen Sohn erfüllt war. Der Herr Jesus wurde um unseres Heils willen Mensch und wurde in allem uns gleich, Er war gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz. Wäre eine andere Weise der Befreiung möglich gewesen, so wäre der Kelch der Bitterkeit an Ihm vorübergegangen. Es ist ganz klar, dass der Liebling des Himmels nicht gestorben wäre, uns zu erretten wenn wir um einen geringeren Preis hätten erlöst werden können. Die unendliche Gnade wählte das große Opfer. Die unendliche Liebe unterwarf sich um unseretwillen dem Tod. Wie können wir glauben dass es noch einen anderen Weg gibt, als den, den Gott mit solchen Kosten geschaffen, und den Er uns in der Heiligen Schrift so einfach und so eindringlich dargestellt hat! Es ist wahr: "Und es ist in keinem anderen das Heil; denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen!" 

 

Anzunehmen, dass der Herr Jesus die Menschen nur halb errettet hätte, und dass von ihrer Seite noch irgend ein Werk oder Gefühl nötig wäre, um Sein Werk zu vollenden, ist sündhaft. Was haben wir, das zu Seinem Blut und zu seiner Gerechtigkeit hinzugefügt werden könnte? "Alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein unflätiges Kleid." Können Lumpen auf das köstliche Gewebe Seiner göttlichen Gerechtigkeit geflickt werden"? Lumpen und feines weißes Linnen! Unsere Schlacken und Sein reines Gold! Es ist eine Beschimpfung des Heilandes, dergleichen zu erwägen. Wir haben genug gesündigt. Sollten wir diese noch all unseren anderen Sünden hinzufügen? Selbst wenn wir irgendeine Gerechtigkeit hätten, der wir uns rühmen könnten, wenn unsere Feigenblätter auch noch so groß imd breit wären, so ist es doch weiser, sie abzulegen und jene Gerechtigkeit anzunehmen, die Gott viel wohlgefälliger sein muss als unsere eigene. 

 

Der Herr sieht in Seinem Sohn mehr Annehmbares, als bei dem Besten von uns. Ja, dem Besten unter uns'. Die Worte scheinen übertrieben, obwohl sie nicht so gemeint sind. Heißt es doch von uns: "Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer." Ich, der ich diese Zeilen schreibe, möchte ganz frei bekennen, dass ich keinen Funken Gutes an mir habe. Ich könnte nicht einmal einen Lumpen daraus machen, nicht ein Stück von einem Lumpen. Ich bin vollständig entblößt. Aber wenn ich das schönste Gewand von guten Werken hätte, das der Stolz sich nur vorstellen kann; so würde es zerreißen und nichts anziehen als die Kleider des Heils, die umsonst von dem Herrn Jesus gegeben werden und von denen Er sich durch eigene Verdienste erworben hat. 

 

Es verherrlicht unsern Herrn Jesus am meisten, wenn wir alles Gute von Ihm allein erhoffen. Dies heißt, Ihn zu behandeln, wie Er behandelt zu werden verdient. Denn da Er Gott ist und außer Ihm keiner mehr, so können wir nichts Anderes tun, als auf Ihn blicken, um errettet zu werden. 

 

Dies heißt. Ihn zu behandeln, wie Er behandelt werden möchte, denn Er fordert alle diejenigen, die mühselig und beladen sind, auf, zu Ihm zu kommen, um ihnen Ruhe zu geben. Sich einzubilden, dass Er nicht "bis zum äußersten erretten" könne, heißt entweder dem Heiligen Israels Seiner Allmacht zu berauben, oder das liebevolle Herz des Freundes von Sündern zu verleumden und Zweifel an Seiner Liebe zu hegen. In jedem Fall würden wir mutwillig gegen Ihn sündigen, denn Er ist fähig und willig, alle die zu retten, die durch Ihn zu Gott kommen. 

 

Das Kind, das in Feuergefahr ist, hängt sich an den Feuerwehrmann, der es auf dem Arm trägt, und traut ihm allein. Es stellt keine Fragen bezüglich seiner Körperstärke oder an seinen Wunsch, es zu retten, sondern es hängt sich an ihn. Die Hitze ist furchtbar, der Rauch erstickend, aber es hängt an ihm; und der Retter trägt es schnell in Sicherheit. Hänge dich mit demselben kindlichen Vertrauen an Jesus, der dich aus den Flammen der Sünde heraustragen kann und will. 

 

Die Persönlichkeit unseres Herrn Jesus sollte uns vollstes Vertrauen einflößen. Da Er Gott ist, ist Er allmächtig zu erretten. Da Er Mensch ist, ist Er voll aller Segensfülle. Da Er Gott und Mensch in einer majestätischen Person ist, so vereint sich in Ihm die Natur des Menschen und die Heiligkeit Gottes. Die Leiter ist lang genug, um von dem auf der Erde liegenden Jakob zu dem im Himmel herrschenden Herrn zu reichen. Eine andere Leiter bringen, bedeutet, vorauszusetzen, dass Er die Entfernung nicht überbrücken könne, und Ilim große Unehre antun. Wenn sogar das Hinzusetzen zu Seinen Worten einen Fluch auf uns herabzieht, was muss die Folge sein, wenn wir zu Ihm selber etwas hinsetzen wollen? Gedenkt daran, dass Er, Er selber der Weg ist; und anzunehmen, dass wir in irgendeiner Weise zu dem göttlichen Heilsweg etwas hinzufügen zu können, heißt anmaßend genug zu sein, etwas zu Ihm selber hinzufügen zu wollen. Weg mit einer solchen Vorstellung! Scheut sie, wie ihr Lästerung scheuen würdet, denn dem Wesen nach ist sie die schlimmste Lästerung gegen den Herrn der Liebe.

 

Zu Jesu zu kommen mit keinem Kaufpreis in der Hand, wäre unerträglicher Stolz, selbst wenn wir einen Preis hätten, den wir bringen könnten. Was braucht er von uns? Was könnten wir bringen, wenn Er es nötig hätte? Würde Er uns die unschätzbaren Segnungen Seiner Erlösung verkaufen? Das, was Er mit Seines Herzens Blut vollendete, will Er das an uns verschachern für unsere Tränen und Gelübde, oder für Einhaltung von Zeremonien, oder für Gefühle und Werke? Er ist nicht so bedürftig, dass Er sich verkauft. Er will umsonst geben, wie es Seiner königlichen Liebe würdig ist. Der, der Ihm einen Preis bietet, weiß nicht, mit wem er es zu tun hat, und wie sehr er Ihn erzürnt. Sünder mit leeren Händen können haben, was sie wollen. Alles, dessen sie nur bedürfen, ist in Jesus, und Er gibt, wenn man Ihn bloß darum bittet. Aber wir müssen glauben, dass Er alles in allem ist, und wir dürfen nicht wagen, ein Wort davon zu äußern, dass wir das vervollständigen wollen, was Er vollbracht hat, oder uns selbst zu dem machen zu wollen, was Er uns als unwürdigen Sündern bereitet hat. 

 

Der Grund, warum wir auf ewiges Leben durch Glauben an den Herrn Jesus hoffen dürfen ist der, dass Gott es so bestimmt hat. Er hat sich in dem Evangelium verbürgt, alle zu erretten, die wahrhaftig auf den Heim Jesus vertrauen. Er wird nie Seine Verheißung zurückziehen. Er hat ein solches Wohlgefallen an Seinem eingeborenen Sohn, dass Er Wohlgefallen an allen hat, die Ihn als ihre eine und einzige Hoffnung ergreifen. 

 

Der große Gott selber hat den ergriffen, der Seinen Sohn ergriffen hat. Er wird zum Heil für alle, die dieses Heil von Ihm erwarten. Um der Ehre Seines Sohnes willen lässt Er nicht zu, dass der Mensch, der Ihm vertraut zuschanden wird. 

 

"Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben"; denn der ewig lebende Gott hat ihn selber zu sich gezogen und ihm einen Anteil an Seinem Leben verliehen. Wenn Jesus allein dein Vertrauen ist, brauchst du nicht zu fürchten, dass du nicht wirklich errettet wirst: sowohl jetzt, als am Tage Seiner Erscheinung wirst du es werden. 

 

Erst wenn ein Mensch dies glaubt, können der Herr und er eins werden, und diese Vereinigung bringt Segen. Der Glaube errettet uns, weil er uns an Jesus Christus bindet, der eins mit Gott ist, und uns so in Verbindung mit Gott bringt. Mir ist erzählt worden, dass vor Jahren ein Boot über dem Niagara-Fall umschlug, und zwei Männer von der Strömung erfasst wurden, und dass die Leute am Ufer ihnen ein Tau zuwarfen, welches von beiden ergriffen wurde. Der eine hielt sich fest daran und wurde glücklich ans Ufergezogen; aber der andere sah ein großes Stück Holz vorbei schwimmen, ließ unglücklicherweise das Tau los und hielt sich an dem Brett, weil es das größere von den beiden Dingen war, und scheinbar einen besseren Halt gewährte. Das Brett mit dem Mann stürzte in den weiten Abgrund hinab, weil keine Verbindung zwischen dem Holz und dem Ufer war. Der Umfang des Brettes nützte dem nichts, der es ergriff. Eine Verbindung mit dem Ufer war nötig, um in Sicherheit zu kommen. So wird ein Mensch, der auf seine Werke, oder seine Gebete oder sein Almosen geben oder auf Sakramente, oder irgendetwas derartiges vertraut, nicht gerettet werden wenn es ist keine Verbindung da zwischen Ihm und Gott durch Christus Jesus. Der Glaube aber, ob er nur auf ein dünnes Seil scheinen mag, ist in der mag, ist in der Hand des großen Gottes am Ufer. Die unendliche Macht holt das Verbindungsseil ein und rettet so den Menschen vom Verderben. Welcher Segen des Glaubens, der uns mit Gott vereint durch den von Ihm verordneten Heiland Jesus Christus! 

 

Lieber Leser, ist das nicht einleuchtend? gründlich! Und möge der Herr es schenken, dass du deinen Glauben an Christus Jesus in die Gemeinschaft dem lebendigen Gott eintrittst! 

 

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Hilfe zur Umkehr 2. Samuel 12. Alfred Christlieb 

 

Wie kann man Menschen zur Buße führen? Diese Frage bewegt manche Eltern, Prediger und Freunde von verirrten und verlorenen Menschen. Nathans Worte, die David zur Buße brachten, geben uns hilfreiche Hinweise. Sie stammen aus Gottes Mund. Nathan kann sagen; "So spricht der Herr" (2 Samuel 12,7). Drei Gedanken stehen im Vordergrund dieser Rede:

 

1.  Die Güte Gottes 

 

Zuerst wird David alle Liebe Gottes in seinem bisherigen Leben aufgezählt: "So spricht der HERR, der Gott Israel Ich habe dich zum König gesalbt über errettet aus der Hand Sauls und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Frauen in deinen Schoß, und habe das Haus Israel und Juda gegeben; und ist das zu wenig, ich noch dies und das dazutun" (V. - 7-8). Der Herr hat David wunderbar geführt und ist bereit, weiter Gnade hinzuzufügen. 

 

Der Blick auf Gottes Güte soll den Sünder zur Buße leiten. So sagt es auch Paulus: "Verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass dich Gottes Gute zur Umkehr leitet?" (Römer 2, 4). Was hat doch Gott alles an denen getan, die bis heute dem Ruf seiner Gnade widerstehen! Er hat manche Begegnung und Berührung mit seinem Wort geschenkt. Er hat viele Wohltaten innerer und äußerer Art erwiesen. Darauf die Widerstrebenden hinzuweisen — kann das nicht eine starke Anklage an das Gewissen sein? Liegt darin nicht Kraft, Herzen zu schmelzen? 

 

2. Undank und Sünde des Menschen 

 

Nachdem er Gottes Güte im Leben Davids aufgezählt hat, fährt Nathan fort: "Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel? Uria, den Hetiter, hast du erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen" (V. 9). Er zählt nun Davids Sünden auf: Verachtung von Gottes Wort, Mord, Ehebruch. Auf weißem Hintergrund hebt sich ein dunkles Bild deutlicher ab. So tritt Davids Sünde auf dem Hintergrund der bisherigen Gnade Gottes umso schärfer und hässlicher hervor. 

 

Und unser Sündenregister? Ist es kleiner als Davids? Wir wissen aus der Bergpredigt, wie genau es Gott mit dem tun Seines Willens nimmt. Haben wir noch nie das andere Geschlecht mit unreinen Gedanken angeschaut und im Herzen die Ehe gebrochen (vergleiche Matth. 5, 27 ff)? Hatten wir niemals einen andern gegenüber Zorn im Herzen und sind dadurch zum Mörder geworden (vergleiche Matth. 5, 21 ff)? Ja unser Undank und unsere Schuld sind dem Gott der gegenüber furchtbar groß! 

 

3. Der Zorn Gottes über die Sünde 

 

Nathan hat David Gottes Güt und dessen eigene Schuld aufzeigt, und nun weist er auf Gottes Zorn und Gericht über die Sünde hin. Er nennt klar die bei Gott schon festgesetzte Strafe: "Nun so soll von deinem Hause das Schwer nimmermehr weichen, weil du mich verachtest und die Frau Urias, des Hetiters, genommen und sie zu deiner Frau gemacht hast [...] Siehe, ich will Unheil über dich kommen lassen und über dein Haus“ (V. 10). 

 

Unablässiger Krieg, Unglück und Schande im eigenen Familienleben — wie schrecklich! Unser Gott ist ein heiliger Gott, ein verzehrendes Feuer. 

 

Lasst es uns dem Sünder sagen, lasst es uns selber nie vergessen: Gott nimmt es genau! Sein Zorn ergeht über alles, was seinem heiligen Wesen widerspricht und gegen seine Gebote verstößt. Wir dürfen solche Bibelstellen nicht ignorieren und verschweigen. 

 

Der dreifache Hinweis auf Gottes Güte und auf Gottes Zorn und auf des Menschen Undank und Sünde brachte David zum inneren Zusammenbruch, sodass er bekannte: "Ich habe gesündigt gegen den Herrn" (2. Samuel 12, 13). Gottes Gnade war in Davids Leben nicht am Ende; im Gegenteil, sie zeigte sich durch Gottes Aufruf und in Davids Reaktion darauf. Nun würde die Gnade Gottes einen neuen Anfang in Davids Leben nehmen. Möge Nathans Vorgehensweise in unseren Gemeinden und Familien vorhanden sein, damit viele zur Reue und Umkehr des Herzens geführt werden! 

 

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Je näher dem Herrn, desto einfältiger 

und einfacher wird man 

 

Gerhard Tersteegen 

 

Gott ist die höchste und einzige Einheit. Darum brauchen wir uns nicht zu wundem, dass, wenn man sich ganz fahren lässt und sich Ihm ganz übergibt, man immer einfältiger und einfacher wird, je näher man Ihm, unserem einzigen Ruhepunkt, kommt. Alles Vielfache, Körperliche und Geistige wird dann beschwerlich; es muss alles abfallen, soll der Geist gehörigen Raum behalten; man kann nicht mehr wie früher denken und überlegen, oder mit der Vernunft tätig sein; man kann keine Regel und Vorschrift mehr in acht nehmen als nur die, alle Regeln zu vergessen; man kann nicht mehr so viel sprechen, weil man mit einem Wort große Dinge, ja alles zu sagen scheint; alle Religionsübungen schmelzen gleichsam in eine Übung zusammen, die alles umfasst, und in der man ohne Wiederholung oder Veränderung Stunden und Tage lang andauern kann; alles ist gut, alles ist neu, und so wie es in der Ewigkeit kein Gestern, kein Morgen, sondern immer ein Heute gibt, so vermag auch eine Seele, die Gott innig nahe gekommen ist, nicht mehr zurück und voraus zu denken. Es ist als ob man einen Augenblick erlebte, der ewig dauert; man kann sich und seine Angelegenheiten, sowohl körperliche als geistige, nicht mehr nach seiner eigenen Weisheit regieren, anordnen oder leiten, sondern man muss sich hingeben; mit einem Worte, man muss ein kleines Kindlein werden und bleiben. Ein Kind lebt nur dann eigentlich, wenn es sich ganz der Mutter überlässt; und das meint der Apostel, wenn er sagt: "Ich lebe; doch nun nicht ich! Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes " (Galater 2,20). 

 

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