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Sieg des Kreuzes August 2015

Nahet euch zu Gott ………………………………..… 01
Hans R. Waldvogel

Wenn Gott uns Nahe ist ………….………….…….. 05
Daniel Del Vecchio

Ein halber Christ ist ein ganzer Unsinn…..….. 08
Ludwig Hofacker

Können wir vergeben?………………..……………. 08
Oskar Lardon

Wer Christi Geist nicht hat …………….....……… 13
G. D. Krummacher

Die Botschaft vom Sieg des Kreuzes
August 2015                 Jahrgang 30/08

Published by RIDGEWOOD PENTECOSTAL CHURCH 8420 85" DRIVE
WOODHAVEN, NY 11421‑1219 Printed in USA
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Nahet euch zu Gott. Hans R. Waldvogel

Welch wunderbarer Ruf ist das! Wie köstlich ist seine Gegenwart! Wie herrlich ist es, wenn Gott uns begegnet und die Wolken, die zwischen ihm und uns sind, vertreibt! Als ich anfing, den Herrn zu suchen, sagte ich: "0 Herr, mir ist, als ob zwischen Dir und mir ein Holzklotz liegt." Ich konnte nicht bis zu ihm durchdringen. Ich war ein Predigersohn, ich hatte ständig die Versammlungen besucht, die Lieder gesungen, die Bibel gelesen, aber eines Tages machte ich mich auf, um Gott zu finden ‑ nicht in Worten, sondern in Kraft!

Hast du dich schon an diese Arbeit gemacht? Hast du Gott gefunden? Hast du dich Gott genaht, bis er sich dir nahte? Ich werde es nicht vergessen, wie damals das Feuer fiel! Ich war der Leiter der Jugend; aber ich wusste auch um meinen gleichgültigen inneren Zustand. Dies war der Zustand von uns allen. Da waren die Jugendlichen‑ sie sangen die Lieder, sie sprachen Gebete, sie lasen die Bibel, aber ihr Leben leuchtete nicht für Jesus.

Du weißt, wie das ist, wenn das Licht für Jesus leuchtet, wenn Ströme lebendigen Wassers fließen. Aber hier war statt dessen etwas anderes da ‑ das Gift der Natter war auf ihren Lippen. Du merkst es, wenn so etwas von einem Menschen ausgeht. In dem Augenblick, in dem du mit mit ihm in Berührung kommst, spürst du es. Es ist etwas Dunkles. Wie ganz anders ist ein Leben, in das Gott gekommen ist und in dem er Wohnung gemacht hat! "Wisset ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist?"

Es war etwas Gewaltiges, als Gott mich hungrig nach ihm gemacht hat. Gibt es auch heute noch Menschen, die hungrig nach Gott sind, die ihn haben möchten? Gott schaut auf sie herab. Und alle unsere Versammlungen, die wir halten, sollten von dieser wunderbaren Kraft Gottes und von dem Geist Gottes belebt sein. Dann werden Menschen zu Jesus gezogen – nicht zu uns, nicht zu einer Gemeinde, sondern zu Jesus Christus.

Deshalb ist es mein Gebet, dass Gott sein Wort in meinen Mund legt und dass es die Menschen, die noch ferne von ihm sind, überführt. Wir alle hatten ein‑mal eine Zeit, in der wir ferne von Gott waren. Da konnte uns keine Kirche helfen, in den Himmel zu kommen. Wir selbst mussten etwas dazu beitragen. Das erste, was wir zu tun hatten, war, uns Gott zu nahen. Und er nahte sich uns.

Sollten wir in unseren Gemeinden nicht das Podium zu einem Gebetsaltar machen? Was eine Familie ohne Mutter ist, das ist eine Gemeinde ohne Altar. Jeder, der zur Versammlung kommt, sollte Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten. Keiner sollte umherschauen oder reden; jeder sollte beten, bis die ganze Stätte mit der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt ist.

Denke an diese Wunderbare Verheißung: "Nahet euch zu Gott!" Dann wird etwas mit dir geschehen. Gott naht sich dir. Es ist etwas Wunderbares, es ist eine heilige Stunde, wenn Gott sich uns naht. Ich habe es nicht vergessen, wie das Feuer fiel, und ich weiß, dass es noch brennt! Es brennt heute heller als jemals zuvor. Warum? Weil mein Gott ein ewiger Gott ist. Er selbst hat sich mir gegeben und meinen Leib zu seiner Wohnung gemacht. Das ist es, was er auch mit dir tun möchte.

Wenn du das Loben und Preisen, das Klatschen mit den Händen das Jauchzen und das Reden in anderen Zungen noch nicht verstehst, dann bist du noch zu weit von Gott entfernt Du kannst aber näher zu Gott kommen und wirst dann erfahren, dass Gott sich dir naht. Die Menschen tun mir leid, die nicht hungert und dürstet nach Gott. Das hängt nicht davon ab, wie viel Geld du hast oder wie hübsch du bist. Lass deine Kosmetik beiseite, leg all diesen Plunder ab! Und was wird übrig bleiben? Nichts als ein Skelett! Nimm aber den ärmlichsten Almosenempfänger und lege Gott hinein ‑ und es wird etwas mit ihm geschehen! Und auch mit dir wird etwas geschehen. Das ist es gerade, was er tun möchte ‑ sich uns nahen!

Höre: Wenn Gott nicht in deinem Leben ist, dann fehlt dir etwas! Vielleicht bist du ihm noch nie richtig nahegekommen. Warum lässt du deine Arme hängen? Deine Hände sollten sich emporheben, wenn der Herr dich dazu mahnt Wie kommt es, dass so viele Gläubige einfach nicht ihre Hände zu Gott erheben können? Sie sind unrein. Sie haben sich bestechen lassen. Sie haben unehrliche Hantierungen getrieben – Werkzeuge der Sünde!

"Reiniget eure Hände, ihr Sünder!“ Sind deine Hände rein. Oder sind sie unrein? Sind sie mit Blut befleckt? Kannst du deine Hände erheben ‑ ohne Zorn und Zweifel ‑ und die Kraft und Herrlichkeit des Himmels in deinem Leib verspüren? Gott ist herrlich. Und er wird dir und mir noch herrlicher werden, wenn wir uns ihm mit einem treuen Herzen und in völliger Glaubenszuversicht nahen. Das ist unsere ganze Arbeit! Alles, was wir brauchen, ist, in Gottes Gegenwart zu kommen. Wie dankbar können wir sein, wenn wir eine Stätte haben, an der wir Gott begegnen können und an der keiner kommt und sagt: "Es ist Zeit, das Licht auszumachen und nach Hause zu gehen!" Wir brauchen solche Stätten, wo wir durch beten können, wo Gott sich uns nahen kann.

'Reiniget eure Hände, ihr Sünder!“ (Jakobus 4,1-12) Höre: Ohne Buße, ohne Reinigung, ohne Läuterung kommen wir nicht weit! Woran liegt es, dass die Menschen nicht darauf eingehen? Der Hochmut ihres Herzens erlaubt es ihnen nicht. Das Wort Gottes sagt, wie sich ein bußfertiger Sünder verhält: "Euer Lachen verkehre sich in Weinen und eure Freude in Traurigkeit." Und jedes mal, wenn Gott zu einer Seele kommt, ist die über ihre Sünden betrübt. Sie ist innerlich überführt und schreit zu Gott. Ich habe aber auch Menschen gesehen, die ärgerlich wurden. Statt sich von ihrem wahren Zustand überführen zu lassen und statt Gott zu danken, dass er ihnen ihr Herz und Leben so offenbart, wie es wirklich ist, laufen sie davon.

Wenn du es ehrlich meinst, dann rufst du zu Gott nach der Reinigung deiner Hände und nach der Reinigung deines Herzens. Das bedeutet nun nicht, dass dein Herz nur von dem gereinigt wird, was wir Sünde nennen, sondern auch von aller Wankelmütigkeit. Ist dein Herz einfältig und beständig, oder ist es wankelmütig? Dienst du Gott nur, wenn du zur Gemeinde kommst? Und gehst du dann hinaus, um der Welt, dem Fleisch und dem Teufel zu dienen? Wie steht es mit dir, Kind Gottes? Wenn wir möchten, dass Gott sich uns naht, dann lasst uns unser Herz von aller Wankelmütigkeit reinigen und lasst uns einfältig und beständig werden. Kürzlich haben wir die Schriftstelle gelesen: "Niemand kann zwei Herren dienen." Niemand kann gleichzeitig dem Fleisch und Gott dienen. Das ist unmöglich. Du kannst nicht Licht mit Finsternis vermengen. Und Jesus sagt: "Du kannst nicht Gott dienen und dem Mammon." Gott möchte mein ganzes Herz haben, und ich bin so froh, dass er es angenommen hat, als ich es ihm gab.

Wenn wir uns Gott nahen, naht er sich uns. Mögen doch alle, die schon länger auf diesem Weg wandeln und die schon eine gewisse Reife erlangt haben, anderen den Weg des Glaubens zeigen. Wo Männer gehen, folgen Knaben. Wie wichtig sind doch Männer und Frauen, die Gott begegnet sind Männer und Frauen die sich nicht mit der Welt einlassen und von denen Ströme lebendigen Wassers fließen! 0 lieber Heiland hilf du uns, dich von ganzem Herzen zu suchen!

Mögen wir umkehren von unserem Umherirren ‑ ‑ zurück zum Herzen Jesu! Ich kann es nicht für dich tun, und du kannst es nicht für mich tun;  aber jeder sollte es für sich selbst tun. So wird sich Gott uns nahen. Und er wird bei uns bleiben und uns in seiner Gegenwart bewahren, wenn wir willig sind, den Preis zu zahlen und die Bedingung zu erfüllen.

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Einer ist dir nahe, wo bist du immer bist,
dessen Aug' dich leitet, der dich nie vergisst .

Einer kennt dein Sehnen, alle deine Pein,
weiß um deine Tränen und dein Einsam sein.

Einer hilft dir tragen alle deine Last,
hält an allen Tagen dich in Lieb umfasst..

Ihm kannst du vertrauen in der größten Not,
der für uns besiegte Finsternis und Tod.

Nie trägst du vergebens zu Ihm all dein Leid,
Segen hat dein Heiland stets für dich bereit.
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Wenn Gott uns Nahe ist. Daniel Del Vecchio

Ein bekannter Psychologe hat einmal gesagt: "Nichts kann einen Menschen aufhalten, in dessen Leben sich die Gegenwart Gottes offenbart." Wie könnten wir uns sonst die gewaltige Veränderung im Leben der Jünger erklären! Der wankelmütige Petrus wurde zum unerschütterlichen Felsen. Er, der sich einst vor einer Magd fürchtete, wurde zur lodernden Flamme, die die Herzen entzündete und eine Erweckung entfachte.

Am Tage der Pfingsten kam die Verheißung des Vaters, jene verwandelnde Kraft des Heiligen Geistes, auf die 120 Gläubigen. Diese Menschen glaubten nicht nur an die Gegenwart Gottes, sie fühlten sie auch‑, sie wurden von ihr durchdrungen und "gestärkt. Ihre Worte waren ihnen von Gott eingegeben, sie waren von Gott inspiriert und inspirierten ihre Zuhörer. Sie richteten das Reich Gottes auf und zerstörten die Befestigungen des Feindes. Es ist die Gegenwart des Heiligen Geistes im Leben der Gläubigen, die das Christentum glaubwürdig und das Glaubensleben zu einer Realität macht.

Wenn wir zum Anfang des Menschheit zurückschauen, sehen wir zwei einsame, ängstliche Menschen, die sich vor der überführenden Gegenwart Gottes verbergen. Sie hatten gesündigt. Sie halten an der Liebe und guten Absicht ihres Schöpfers gezweifelt. Jetzt waren sie zu Mitschuldigen des

Betrügers geworden, der ihr Herz von Gott gewandt hatte. Vorher wandelten sie in dem strahlenden Licht seiner Gegenwart, doch jetzt hatte sich alles verändert. Sie fühlten das schwere Gewicht ihrer Schuld. Es bedrückte sie, es lastete auf ihnen, es machte sie furchtsam, und in ihrer Furcht liefen sie davon und verbargen sich. Sie fühlten ihre Blöße, sie fühlten ihre Unreinheit. Sie versuchten vergeblich, sich zu bedecken. Aber damals wie heute ist der Versuch des Menschen, seine Schande zu bedecken und seine Sünde zu verbergen, zwecklos. "Wer seine Sünde verbirgt, dem wird es nicht gelingen." Hier liegt das Problem der Menschheit ‑ der Mensch wurde aus dem Garten getrieben. Aber noch wichtiger ist, dass er die Gegenwart Gottes verloren hat. Die Gemeinschaft war zerstört, das Licht war erloschen.

Das trügerische menschliche Herz versucht alles, um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Wir scheuen keine Mühe, um uns und der Welt zu beweisen, dass alles in Ordnung ist, dass wir sittlich nicht verdorben sind, dass der Mensch eigentlich gut ist. So wird die Welt zur Bühne und der Mensch zum Schauspieler. Wo aber die Kraft Gottes gegenwärtig ist und das Wort des Herrn in der Salbung des Geistes verkündigt wird und die Stimme Gottes offen reden kann, kommt der Heilige Geist, um die Welt von der Sünde zu überführen. Wenn wir uns dann überführen lassen und unseren verlorenen Zustand erkennen, dürfen wir uns an den Heiland wenden und werden bei ihm Zuflucht für unsere Seele finden.

Die Gegenwart Gottes ist auch eine reinigende Gegenwart. Es gibt nichts, das uns so reinigen und läutern kann, wie das Bewusstsein der Gegenwart Gottes. Dinge, die wir lange Zeit in unserem Leben geduldet haben, werden unerträglich, sobald das helle Licht der Gegenwart Gottes auf sie fällt. Dinge, die in der Finsternis der Nacht getan werden, ja oft sogar am helllichten Tag, würden wir nicht tun, wenn uns bewusst wäre, dass Gott an unserer Seite steht. Und doch ist Gott immer gegenwärtig ‑ ob wir es erkennen oder nicht! Wenn wir uns nun im Bewusstsein seiner Gegenwart üben, wird unser Leben rein, und unser Herz wird weiß wie Schnee.

Der rückfällige, laue Zustand der Gemeinde Jesu ist ein deutliches Zeichen dafür, dass der Durchschnittschrist nichts von der Heiligkeit Gottes weiß. Wir kennen viel zu wenig aus eigener Erfahrung den Gott, der uns gebietet: "Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig!" Wenn wir aber in seine Gegenwart geführt und von seiner Heiligkeit umhüllt werden, rufen wir mit Jesaja:  "Wehe mir, ich vergehe!" Die Menschen dagegen, die nur eine oberflächliche Gotteserkenntnis haben, die fern von seiner Gegenwart leben, können sich noch ihrer Güte rühmen. Wenn wir aber in die Gegenwart Gottes kommen, reinigt sie uns. Wenn wir uns Gott nahen, dann gilt uns die Verheißung, dass er sich uns naht. Alle Spreu muss verbrennen, und so wird sein Volk gereinigt.

Die Gegenwart Gottes ist auch eine heilende Gegenwart. In Lukas 5,17 lesen wir, dass die Kraft des Herrn gegenwärtig war und alle hellte, die zu ihm kamen. Jesus sprach von einer Kraft, die von ihm ausging, als jene Frau, die zwölf Jahre den Blutfluss hatte, geheilt wurde. Die Kraft, die von ihm in sie geströmt war, war Heilungskraft. Sie spürte, dass sie geheilt war. Jesus hatte gefühlt, dass eine Kraft von ihm ausging, und sie hatte gefühlt, dass eine Kraft in sie strömte. Die Pharisäer und Schriftgelehrten, die nur kamen, um zu kritisieren, um ihn zu versuchen und um ihm eine Falle zu stellen, haben keine Heilung und keine Hilfe empfangen. Trotzdem war seine Gegenwart da, um zu hellen!

Die heilende Gegenwart Gottes ist eine Realität, die viele erfahren haben. Jesus ist gekommen, um die Kranken zu hellen. Er will aber nicht nur den kranken Leib hellen, er will auch die zerbrochenen Herzen verbinden, den Gefangenen die Freiheit bringen und die bösen Mächte der Finsternis, die den Menschen gefangen halten, austreiben. Wenn Jesus in seiner Heilungskraft kommt, ist Satans Macht gebrochen, und Wunder, die wir nicht begreifen können, geschehen!

Ich möchte auch noch an die tröstende Gegenwart Gottes erinnern. David sagt: "Und ob ich auch wanderte im finstern Tal. fürchte ich kein Unglück: denn du bist bei mir!" Ein bekannter schottischer Prediger erzählt, dass er als Sechzehnjähriger jeden Samstag bis nach Mitternacht gearbeitet hat. Um dann sein Elternhaus zu erreichen, musste er etwa zehn Kilometer auf einer für Räuber berüchtigten Straße zurücklegen. "Es war kurz nach Mitternacht", berichtet er, "als ich meine Arbeit beendet hatte und nach Hause ging. Drei Kilometer außerhalb der Stadt war die Straße schwärzer denn je. Zu meiner Rechten und Linken waren bewaldete Anhöhen. Ich rannte, so schnell ich nur konnte. Plötzlich hörte ich vor mir eine kräftige Männerstimme: "Bist du es Jonny?" Mein Vater war in dem Augenblick gekommen, als ich ihn am nötigsten brauchte. Zuerst war ich erschrocken; aber schon bald hatte mich alle Furcht verlassen. Die Nacht wurde licht. Seine Hand auf meiner Schulter, seine Stimme in meinem Ohr, seinen Fußtritt an meiner Seite ‑ dies alles nahm mir meine Furcht. Ich weiß nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen bin. Die Gegenwart meines Vaters gab mir das Gefühl, schon zu Hause zu sein."

"Wenn ich auch wandle im Tal der Todesschatten, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir!" Was empfindest du, wenn du an die Gegenwart Gottes denkst? Ist er dein Vater, dein Erlöser? Oder ist er dein Richter? Du brauchst deinen Weg nicht allein zu gehen. Du brauchst nicht aus Angst zu rennen. Du brauchst dich nicht aus Frucht zu verbergen. Du brauchst auch keine schwachen Entschuldigungen vorzubringen, um deine Blöße zu bedecken.

Wenn die Gegenwart Gottes dich überführt hat, reinigt sie dich. Dann kommt Jesus als heilender Balsam, und bei denen, die im Lichte wandeln, bleibt er dann ‑ als tröstende, stärkende Kraft. Auch du kannst seine Hand auf deiner Schulter fühlen, seine Stimme in deinem Ohr hören, seine Kraft in deinem inwendigen Menschen verspüren und seine Fußtritte an deiner Seite vernehmen, wenn du auf dem Weg  des Gehorsams wandelst.
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Ein halber Christ ist ein ganzer Unsinn.  Ludwig Hofacker

"Gib mir, mein Sohn, dein Herz!" Das ganze Herz verlangt der Heiland von uns. Nichts ist aber erbärmlicher, nichts elender, nichts jämmerlicher als ein halbiertes Herz, ein geteiltes Christentum. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Wenn man der Sünde entsagen und doch nicht ganz entsagen will, wenn man dem Heiland leben und doch nicht ganz leben will, wenn man möchte und mag doch nicht; dabei ist eitel Unsegen und jämmerlicher Selbstbetrug. Siehe, daher kommt es, dass du Oftmals keinen Frieden, keinen Trost, keine Erquickung im Herzen hast; heute im Himmel, morgen in der Hölle, heute froh, morgen betrübt bist. Dies kommt alles daher, weil Jesus und seine Gerechtigkeit und Liebe noch nicht verklärt ist in deinem Herzen, weil du dich noch nicht zum völligen Lohn seiner Schmerzen ihm ergeben hast.
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Können wir vergeben?  Oskar Lardon

Die Gleichnisse sind das Bilderbuch Jesu, sie sind Bilder, die er selbst entworfen und mit feinen Strichen und leuchtenden Farben bis ins einzelne ausgeführt hat. Kenner der Literatur aller Völker urteilen, dass diese Gleichnisse in ihrer Art einzig dastehen. Selbst die Jünger Jesu, deren Briefe für uns unentbehrlich sind, haben nicht so anschaulich, so natürlich, so lebensnah erzählt wie ihr Meister in seinen Gleichnissen. Wie tief und klar sind die Geschichten, die Jesus vom Himmelreich und von den Menschen erzählt hat! Zwei Jahrtausende sind über sie hinweggegangen, und sie haben noch nichts von ihrer Frische und unmittelbaren Wirkung, von ihrer Lebenswahrheit und Schönheit eingebüßt. Sie sind noch heute so wahr wie damals, als Jesus sie den Menschen von Galiläa erzählte. Jedes Kind kann sie verstehen und fassen, und auch der Gebildete mit dem verwöhntesten Geschmack entdeckt an diesen Perlen des Neuen Testaments immer wieder neue Strahlen von Schönheit und Weisheit.

Aber wie man lernen muss, Gemälde zu betrachten, so muss man auch lernen, diese Gleichnisse zu verstehen. Man muss das Gleichnis als Ganzes auf sich wirken lassen, ehe man die einzelnen Partien anschaut. Es ist aber auch noch etwas anderes zum Verständnis der Gleichnisse Jesu nötig.

Goethe hat einmal gesagt; Bilder und Gleichnisse sind wie bemalte Fensterscheiben. Sieht man vom Marktplatz in die Kirche hinein, dann erscheint alles düster; das Glasbild ist verworren und farblos. Tritt man aber hinein, dann wird alles farbig und hell. Bild und Ornament fangen an zu glänzen.

Das gilt auch von den Gleichnissen Jesu. Man darf sie nicht nur von außen betrachten. Man muss Dem nähertreten, der sie erzählt hat. Dieses Herankommen und Hineinkommen meint Jesus, wenn er am Schluss der Gleichnisse oft sagt: "Wer Ohren hat, zu hören, der höre!" Man muss zu ihm und unter den Einfluss seines Geistes kommen, man muss in den Glanz seines Lichtes treten, wenn man nicht zu denen gehören will, die mit den Ohren nicht hören und mit den Augen nicht sehen.

Unser Gleichnis ist eine Illustration zu der fünften Bitte im Vaterunser: "Vergib uns unsere Schuld, wie wir unsern Schuldigern vergeben!" Petrus hatte Jesus gefragt: "Wie oft muss ich meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Ist es genug siebenmal?" Und Jesus antwortete ihm: "Ich sage dir, nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal! " Es ist klar, was Jesus mit diesem "siebzig mal sieben mal" sagen will. Er meint nicht vierhundertneunzigmal, sondern immer! Ein Kind hat einmal den Sinn dieses Wortes Jesu gut getroffen, als es meinte: Wenn man vierhundertneunzigmal vergeben hat, kann man nicht mehr anders als immer wieder vergeben.

Warum man aber so oft vergeben soll und zu seinem Mitschuldner keine andere Stellung einnehmen darf, das sagt uns Jesus in diesem Gleichnis: Weil unser Vater im Himmel unendlich mehr vergeben muss und bereits vergeben hat, als je ein Mensch gegen uns verfehlen könnte. Der König schenkte seinem ungetreuen Beamten die große Schuld. Dagegen ist die Schuld des Mitknechts gering. So unendlich groß ist die Schuld, in der wir bei Gott stehen, und so gering ist dagegen die Schuld, die wir einem Mitmenschen anrechnen können. Schenkt Gott uns die große Schuld, darin sollen wir einander

die kleinen Schulden nicht nachtragen, sondern vergeben. Wer nicht vergeben kann, der handelt wie dieser Knecht im Gleichnis, und von ihm sagt Jesus: "So wird mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht vergebet von eurem Herzen, ein jeder seinem Bruder seine Fehler."

Die göttliche Vergebung ist unbeschränkt. Aber Gott knüpft eine Bedingung daran: "Wie wir vergeben unseren Mitschuldnern!" Können wir das nicht oder wollen wir das nicht, dann fällt unsere Vergebung auch hin, dann muss Gott mit uns nach unseren Schulden handeln, dann muss er mit uns rechnen nach Gesetz und Gerechtigkeit. Dann heißt es: "Mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden! Mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden!" Das sind ernste und deutliche Worte, die uns den Sinn des Gleichnisses und das, was Jesus uns sagen wollte, deutlich machen.

Wie nötig haben wir doch auch heute diese Mahnung! Je näher wir dieses Bild betrachten, desto mehr geht es uns persönlich an. Ist das nicht unsere Geschichte, die wir so oft gespielt und erlebt haben? Nehmen die Gestalten, die da handeln, nicht bekannte Züge an? Sind wir nicht in ähnlicher Lage wie David vor Nathan, der dem König, nachdem er ihm, auch in einem Gleichnis, einen empörenden Fall von Härte und Ungerechtigkeit erzählt hat, zurufen muss: "Du bist der Mann!" Du bist der Knecht, der seinen Mitbruder würgt und plagt! Ist die Frage des Petrus mit ihrem ungeduldigen Seufzen; "Wie oft muss ich meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben?" nicht auch unsere eigene Frage?

Wer von Gott nichts wissen will und Jesus nicht kennt, von dem wird man auch nichts anderes erwarten dürfen als das, was dieser Knecht im Gleichnis tut. Es war sein gutes, gesetzlich geschütztes Recht, von einem Schuldner die Bezahlung der Schuld zu verlangen und, wenn er nicht bezahlen konnte oder wollte, ihn den Richtern zu übergeben. So treibt man unerbittlich seine Forderungen ein, so vorgibt man Böses mit Bösem, Unrecht mit Unrecht, Härte mit Härte. So antwortet man auf jede  Beleidigung mit Zorn, Unwillen und Unfreundlichkeit Wie du mir, so ich dir!

Aber dann darf man auch nicht Gott gegenüber an ein anderes Recht appellieren, dann darf man auch nicht den Rechtsanspruch königlichen Erbarmens und vergebender Gnade erwarten. Das hat den Knecht so schlecht gemacht und ihn dem endgültigen Gericht ausgeliefert, dass er den Mitknecht würgte, nachdem ihm die Riesenschuld vergeben worden war. Das ist es, was unsere Unversöhnlichkeit zu einer so schweren Sünde macht, dass wir für uns die göttliche Vergebung beanspruchen und sie als selbstverständlich hinnehmen wollen, während wir den Mitknecht würgen.

Der Knecht im Gleichnis hat den Mitknecht unmittelbar, nachdem ihm der König vergeben hatte, vor den Richter gezogen. Wie oft haben sich diese Worte wiederholt: "Da ging derselbe Knecht hinaus und fand einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Groschen schuldig." Du warst im Hause Gottes, und der Herr hat mit deiner Seele geredet. In deinem Herzen flehtest du: Herr, habe Geduld mit mir! Der Friede Gottes kam in dein Herz. Dann kamst du nach Hause und entdecktest, dass irgend etwas in der Küche oder im Kinderziminer nicht in Ordnung war. Du wurdest zornig und teiltest mit scharfen Worten Tadel und Vorwürfe aus. Du fühltest, wie der Friede Gottes von dir wich. Wenn du Gnade hattest, dich zu beugen und deine Schuld zu bekennen, konnte alles wieder in Ordnung kommen.

Wie viele grollen miteinander! Sie zürnen und tun einander weh wegen Dinge, die so geringfügig im Vergleich mit der Schuld sind, die Gott uns vergeben hat. Mancher möchte sich gern aussöhnen, aber alle Versuche werden schroff zurückgewiesen. Da muss man warten und Gott bitten, uns Zeit und Gelegenheit zum Vergeben und Verzeihen zu schenken. Es gibt Herzen, die erst schmelzen, wenn der himmlische König anfängt zu rechnen.

Jesus beginnt dieses Gleichnis mit den Worten: "Das Himmelreich ist gleich einem König, der mit seinen Knechten rechnen wollte." Jesus redet hier auf menschliche Weise von Gott, indem er ihn mit einem orientalischen König vergleicht. Es ist eine ewige Wahrheit und eine Tatsache der Weltgeschichte, dass Gott mit den Menschen Abrechnung hält. Ob die Menschen daran glauben oder nicht, ob sie darüber spotten oder zittern, der Tag der Abrechnung kommt, und niemand kann ihm entfliehen. Freiwillig wird der schuldbeladene Knecht niemals kommen, er wird vor den König gebracht. Er muss erscheinen!

Gott rief durch dem Propheten Jesaja: "So kommt denn und lasst uns miteinander rechten" Der Prophet Micha ruft im Namen Gottes aus: "Höret, ihr Berge, wie der Herr rechten will!" So wird Gott auch uns fordern. Er will Soll und Haben unseres Lebens einander gegenüberstellen das, was er uns Gutes getan hat, und das, was er von uns erwarten durfte. Er wird die, die sich von ihm abgewendet haben, fragen: Mein Freund was habe ich dir getan? Womit habe ich dich beleidigt, dass du nichts mehr von mir wissen willst, dass du nicht mehr mit mir redest, dass du meine Stimme nicht mehr hören meine Gebote verachtest und mein Licht nicht in dein Herz dringen lässt? Was habe ich dir getan? Ich gab dir Leben; ich liebte dich bis zur Hingabe meines Sohnes für dich, ich ließ es dir gelingen. Was hast du gegen mich, dass du dich von mir abwendest?

Wozu rechnet Gott so mit uns? Ist er ein harter Gott, der unerbittlich Schulden eintreibt, der nichts umsonst tut? Nein, er rechnet, weil er vergeben will, weil er retten will, weil er nicht will, das jemand verloren gehe. Gott wartet oft lange, aber einmal kommt der Tag, wo er anfängt zu rechnen. Es braucht oft nur einen geringen Anstoß, ein scheinbar unwichtiges Ereignis, das Auftauchen einer längst begrabenen Erinnerung, und die Stunde der Abrechnung ist da! Der Psalmist rühmt: "Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unseren Missetaten!" Das Gleichnis ist ein Lobpreis der schrankenlosen, königlichen Gnade Gottes. Es ist aber auch eine ernste Mahnung vor dem Missbrauch dieser Gnade. Paulus schreibt einmal: "Wir ermahnen euch als die Mithelfer, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt!" Der Knecht im Gleichnis hat sie vergeblich empfangen. Sein Herz ist durch die Erfahrung des Erbarmens seines Königs nicht weich und demütig geworden. Er ging hinaus und vergaß, was Gott an ihm getan hatte.

Es gibt noch viele andere Dinge, welche die Menschen um die Gnade Gottes bringen und sie betrügen: Gleichgültigkeit Gott und seinem Wort gegenüber, die schlechte Gewohnheit, ernste Dinge auf morgen zu verschieben. Aber sehr viele verscherzen sich die Gnade Gottes dadurch, dass sie nicht vergeben können. Lasst uns nicht zu ihnen gehören.
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Wenn die Liebe fehlt ...

Pflichtbewusstsein ohne Liebe macht verdrießlich;
Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos;
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart;
Wahrheit ohne Liebe macht kritisch;
Erziehung ohne Liebem acht widerspruchsvoll;
Klugheit ohne Liebe macht gerissen;
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch;
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich;
Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch;
Macht ohne Liebe macht gewalttätig;
Ehre ohne Liebe macht hochmütig;
Besitz ohne Liebe macht geizig;
Glaube ohne Liebe macht fanatisch.
Ein Leben ohne Liebe ist sinnlos.
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Wer Christ Geist nicht hat.   G. D. Krummacher

Ein wahrer Christ ist nur derjenige, der den Heiligen Geist empfangen hat, und kein anderer, denn, „wenn jemand den Geist Christi nicht hat, gehört er nicht zu Christus", und nur "die vorn Geist Gottes geleitet werden, die .sind Gottes Kinder" (Römer 8, 9 und 14).

Wer aber hat den Heiligen Geist? Das ist nur an den Auswirkungen erkennbar, die allerdings bei dem Einen deutlicher ans Licht treten, als bei dem Anderen. Doch der Herr kennt die Seinen.

Wo aber Gottes Geist ist, da wirkt er auch. Er deckt dem selbstgerechten Menschen seine Sünde und Verlorenheit  auf. Er öffnet Wunden, um das Innere des Menschen züi heilen. Der Heilige Geist verändert den Menschen, der bisher die Sünde genossen hat, Lind flößt ihm eine tiefe Abscheu gegen die Sünde ein, so dass er nun mit aller Kraft vor

sich nun danach von diesem sündigen Todesleib befreit zu sein. Der Heilige Geist zeigt ihm Jesus Christus als den einzigen Weg und den vollkommenen Heiland, der in die Welt gekommen ist, um verlorene Sünder zu retten. Er treibt ihn an, bei Christus seine Zuflucht zu finden, und ihn um Rettung anzuflehen! Und wer aufrichtig nach Christi Gnade ruft, dem wird sie auch geschenkt werden. Christus selbst wird ihm die nötige Zuversicht und Freude schenken. so dass der Gläubige sich seiner Rettung in ihm ganz sicher sein darf.

Doch hier hört Gottes Geist nicht auf zu wirken. Er führt sein Werk der Erleuchtung, Demütigung und Züchtigung fort, er tröstet, heiligt, erneuert, und macht die Seele bereit und brauchbar für das Erbe der Heiligen, das er zu der von Gott festgesetzten Zeit von ihm empfangen wird. Das ist es, was der Heilige Geist bewirkt ‑ wie er aus einem geistlich toten Menschen ein lebendiges Gotteskind macht ‑ und was jeder erfahren muss und erfahren wird, der Rettung finden will.

 

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